Blick über den Tellerrand: Neue Perspektiven bei Frauen-Regionalkonferenz
»Ich brauch’ hier mal ne Querstrebe!«, »Wie kann ich passende Werbung für meine Jugendfeuerwehr machen?«, »Puh, die Autoreifen in der Atemschutzstrecke waren aber eng!« – so vielfältig wie die angebotenen Workshops waren auch die Interessen der Teilnehmerinnen der ersten Regionalkonferenz des Deutschen Feuerwehrverbandes. Ein Teil des Projekts »Mädchen und Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr« im Rahmen des Programms »Generationenübergreifende Freiwilligendienste« beinhaltet die verbesserte Vernetzung weiblicher Feuerwehrangehöriger.
Am 10./11. Juni 2006 ging in der Hessischen Landesfeuerwehrschule (HLFS) in Kassel die erste von bundesweit insgesamt fünf Regionalkonferenzen über die Bühne – diesmal vorwiegend für »Feuerwehrmenschen « aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen; aber auch aus Nordrhein-Westfalen hatten sich Teilnehmerinnen angemeldet.
Am ersten Tag stand die feuerwehrtechnische Aus- und Weiterbildung im Mittelpunkt: Von Seiten der Landesfeuerwehrschule wurden Workshops zu den Themen Planübung (Frank Maikranz), Unterrichtsgestaltung (Wolfgang Finis) und Atemschutzstrecke (Klaus Sußebach, Sascha Reuß) angeboten. Die Berufsfeuerwehr Kassel fand mit dem Tiefbaucontainer (Andreas Steinhoff) großes Interesse; ebenso der DFV mit den Themen Verbandsarbeit (Vizepräsident Ulrich Behrendt) und Öffentlichkeitsarbeit (Pressereferentin Silvia Darmstädter). »Es ist spannend, einmal Einsatzlagen
zu bearbeiten, die in unserer Feuerwehr nur selten geübt werden«, erklärte eine Teilnehmerin, während sie eine Schleifkorbtrage zur Personenrettung in den Querverbau hinabließ. Eine andere Feuerwehrfrau zeigte sich nach dem Workshop zur Unterrichtsgestaltung begeistert: »Davon kann ich richtig viel zu Hause anwenden, das war klasse!« Die Eindrücke des Tages tauschten die Frauen am ersten Abend aus; hier kamen auch die Teilnehmer (männliche und weibliche Führungskräfte) für den Sonntag hinzu.
Der zweite Tag stand unter dem Thema »Praktische Umsetzung von Maßnahmen zur verbesserten Integration von Frauen in die Feuerwehr«. Zunächst stellte Dr. Margot Poppenhusen konkrete Anregungen vor, die sie gemeinsam mit Prof. Dr. Angelika Wetterer und Dr. Anja Voss erarbeitet hatte. »Wir dürfen nicht aus der Not Frauen nehmen, weil keine Männer da sind – die Arbeit in der Feuerwehr ist so vielfältig, dass für alle Menschen etwas dabei ist«, erklärte HLFS-Leiter Silvio Burlon. Im Anschluss ging es in Arbeitsgruppen um die verschiedenen Aspekte der Umsetzung. Hier interessierten vor allem die unterschiedlichen Erfahrungen der einzelnen Bundesländer: So konnten etwa die Thüringerinnen Anregungen aus ihrer jahrelangen erfolgreichen Arbeit liefern; Rheinland-Pfalz und Hessen steuerten wiederum andere Perspektiven und Erfahrungen als »Blick über den Tellerrand« bei. »Wir müssen die Feuerwehr zeitgemäßer gestalten, und deshalb gehören die Frauen selbstverständlich dazu«, formulierte eine Teilnehmerin.
(sda)
Bilder (Silvia Darmstädter / DFV) zum Vergrößern anklicken.